Das Leben von Doña Oscarina: Eine Geschichte von Wissen und Tradition
Bevor der Ton aus der Erde geholt werden konnte, musste man um Erlaubnis fragen. 'Oma, bist du da?' fragte die Töpferin. 'Ich bin deine Enkelin. Ich bin gekommen, um dich zu treffen.' Die Worte waren an Di'i Mahso, Oma Ton, gerichtet, die den Frauen beibrachte, das richtige Material zu finden und die ersten Kochgefäße herzustellen. Oscarina Caldas Azevedo kannte diese Worte und die tiefen ökologischen Verpflichtungen, die dahinter standen.
Eine Meister-Töpferin des Desana-Volkes, Landwirtin und indigene Umweltforscherin, starb Azevedo am 4. Juli in ihrer Heimatgemeinde Cunuri in der brasilianischen Amazonas-Region. Bekannt als Doña Oscarina, bewies ihre Lebensarbeit, dass die traditionelle amazonische Kosmologie, das landwirtschaftliche Wissen der Frauen und die moderne Klimawissenschaft untrennbar miteinander verbunden sind.
Das Vermächtnis von Doña Oscarina: Indigenes Wissen und Nachhaltigkeit
Geboren 1967 in Santa Ana do Médio Tiquié, in der Region des oberen Rio Negro, im Bundesstaat Amazonas, wuchs sie in Cunuri auf, am Ufer des Tiquié-Flusses - einer Landschaft, in der die Gemeinden durch Flusswege, familiäre Bindungen und gemeinsame Sprachen verbunden sind. Sie besuchte die lokale Schule im Alter von fünf Jahren. Mit 13 wechselte sie zur salesianischen Missionsschule in Pari Cachoeira. Während eines Urlaubs zwei Jahre später traf sie Rafael Azevedo. Sie wurden dazu geraten, zu heiraten, und verbrachten mehr als vier Jahrzehnte zusammen.
Ihr Zuhause wurde zu einem Ort der Landwirtschaft, Forschung, Zeremonie und Unterweisung. Oscarina baute Maniok, Heilpflanzen und andere Kulturen an. Sie stellte Töpferware her und lehrte jüngere Frauen, den Ton zu finden und vorzubereiten, Gefäße zu formen und zu brennen. Rafael trug das Wissen der rituellen Praxis bei. Ihre Arbeit wurde eng geteilt.
Die Bedeutung des indigenen Wissens für die Nachhaltigkeit
Das Vermächtnis von Doña Oscarina ist ein lebendiges Beispiel für die Bedeutung des indigenen Wissens für die Nachhaltigkeit. Ihre Arbeit als Töpferin und Landwirtin bewahrte nicht nur die Tradition ihres Volkes, sondern zeigte auch die Verbindung zwischen der amazonischen Kosmologie und der modernen Klimawissenschaft. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das indigene Wissen zu schätzen und zu schützen, nicht nur als Menschenrechtsfrage, sondern auch als Strategie, um globale Umweltprobleme zu meistern.
Der Mechanismus hinter dem ökologischen Wissen von Doña Oscarina
Das ökologische Wissen von Doña Oscarina war tief in der amazonischen Kosmologie verwurzelt. Der Glaube an die Existenz einer 'Oma Ton', die den Frauen beibringt, das richtige Material zu finden und Kochgefäße herzustellen, spiegelt ein tiefes Verständnis der Verbindung zwischen den Menschen und der Umwelt wider. Dieses Wissen basiert auf einem holistischen Ansatz, der die Beziehung zwischen den Menschen, der Erde, dem Wasser und den Lebewesen als ein komplexes, voneinander abhängiges Netzwerk betrachtet.
Größerer Kontext: Die Bedeutung des indigenen Wissens in der Amazonas-Region
Die Amazonas-Region ist eines der vielfältigsten Ökosysteme der Erde, und das indigene Wissen spielt eine entscheidende Rolle bei ihrer Erhaltung. Die Region beheimatet über 400 indigene Gruppen, jede mit ihrer eigenen Sprache, Kultur und Tradition. Das indigene Wissen in der Amazonas-Region ist nicht nur eine Frage der Erhaltung der Kultur, sondern auch eine Strategie, um die Artenvielfalt zu schützen und die Nachhaltigkeit zu fördern.
Was kommt als Nächstes: Herausforderungen und Chancen
Der Tod von Doña Oscarina hinterlässt eine Lücke in der indigenen Gemeinschaft und im Kampf für die Nachhaltigkeit. Ihr Vermächtnis inspiriert jedoch weiterhin neue Generationen indigener Führer und Umweltschützer. Die Herausforderung besteht nun darin, das indigene Wissen zu schützen und zu schätzen, um sicherzustellen, dass die indigenen Gemeinschaften eine Stimme und Teilhabe an den Entscheidungen haben, die ihre Territorien und Lebensweisen betreffen.
Schlussfolgerung: Das Vermächtnis von Doña Oscarina und die Zukunft der Nachhaltigkeit
Das Vermächtnis von Doña Oscarina ist ein mächtiges Beispiel für die Bedeutung des indigenen Wissens für die Nachhaltigkeit. Ihre Arbeit als Töpferin, Landwirtin und Umweltforscherin zeigt die Verbindung zwischen der amazonischen Kosmologie und der modernen Klimawissenschaft. Wenn wir globale Umweltprobleme meistern, ist es von entscheidender Bedeutung, das indigene Wissen zu schätzen und zu schützen, um sicherzustellen, dass die indigenen Gemeinschaften eine Stimme und Teilhabe an den Entscheidungen haben, die ihre Territorien und Lebensweisen betreffen.
Quelle / Referenz
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Mongabay veröffentlicht.