Die Kontrolle von Vögeln in Singapur: Ein fragwürdiger Ansatz
An einem Freitagmittag im Juli patrouilliert ein Schädlingsbekämpfer auf dem Gelände des Sungei Tengah Lodge, dem größten Wohnheim für Migranten in Singapur, und sammelt Vögel in verschiedenen Stadien der Not. Einige winden sich, andere torkeln, als ob sie betrunken wären. Der Schädlingsbekämpfer wirft die Vögel, die er einige Stunden zuvor mit Köder vergiftet hatte, in einen Müllsack. Die meisten von ihnen sind noch am Leben. Der Sack mit den Vögeln wird später mit Kohlendioxid vergast, einer Methode zur Kontrolle von Vögeln, die als „Plage“ gelten und die die Behörden als „human“ bezeichnen – ein Anspruch, den Tierschutzgruppen bestreiten.
Obwohl die Kontrolle die lokale Population sofort reduzieren kann, bezweifeln Ökologen die langfristige Effektivität der Bemühungen, die städtischen Vogelpopulationen zu reduzieren, und argumentieren, dass die schnelle Urbanisierung in Singapur Bedingungen schafft, die es ihnen ermöglichen, zu gedeihen, da Wälder für Wolkenkratzer verloren gehen.
Warum es wichtig ist: Die Risiken und Konsequenzen
Die Vögel, die in der tropischen Metropole als Plage gelten, sind die Stadttaube (Columba livia), der Java-Myna (Acridotheres javanicus) und die Hausraben (Corvus splendens), die nicht unter dem Wildtiergesetz geschützt sind und regelmäßig im Rahmen von Beschwerden der Öffentlichkeit kontrolliert werden. Als „Plagevögel“ bekannt, werden sie als invasive Arten dargestellt, die laut sind und die öffentliche Gesundheit und die lokale Artenvielfalt bedrohen, indem sie mit einheimischen Vögeln konkurrieren und, im Falle der Raben, diese sogar jagen.
Die Raben sind insbesondere zum Ziel geworden. Die Regierung hat im März ein Programm zur Abschuss von Raben wieder aufgenommen, nachdem es sechs Jahre lang pausiert hatte, da die Beschwerden über Angriffe auf Menschen zugenommen hatten.
Der Mechanismus hinter der Vogelkontrolle: Wissenschaft und Prozesse
Die schnelle Urbanisierung in Singapur hat zur Zerstörung natürlicher Lebensräume geführt, was wiederum die Verbreitung von Vögeln, die als Plage gelten, begünstigt hat. Der Mangel an Grünflächen und die Ausdehnung der städtischen Gebiete haben ein Umfeld geschaffen, das es diesen Vögeln ermöglicht, sich niederzulassen und sich fortzupflanzen.
Darüber hinaus haben die Verfügbarkeit von Nahrung und der Mangel an natürlichen Feinden zum Wachstum der Populationen dieser Vögel beigetragen. Dies hat zu Konflikten mit der menschlichen Bevölkerung geführt, die diese Vögel als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit und die Lebensqualität ansieht.
Größerer Kontext: Trends und Forschung
Die Vogelkontrolle in Singapur ist kein isoliertes Phänomen. In vielen Städten auf der ganzen Welt sind die städtischen Vögel zu einem wachsenden Problem geworden, da die schnelle Urbanisierung und der Verlust natürlicher Lebensräume zur Verbreitung invasiver Arten geführt haben.
Studien haben gezeigt, dass die Urbanisierung tiefgreifende Auswirkungen auf die lokale Artenvielfalt haben kann, was zum Verlust einheimischer Arten und zur Einführung invasiver Arten führt. Darüber hinaus haben der Mangel an Grünflächen und die Ausdehnung der städtischen Gebiete zur Verschlechterung der Luft- und Wasserqualität beigetragen, was die öffentliche Gesundheit beeinträchtigt.
Was als Nächstes passiert: Auswirkungen und offene Fragen
Da Singapur weiter urbanisiert, wird die Vogelkontrolle wahrscheinlich zu einem immer wichtigeren Thema. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, dass die Behörden die langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen berücksichtigen und nachhaltigere und effektivere Lösungen zur Bewirtschaftung der städtischen Vogelpopulationen suchen.
Dazu können die Umsetzung von Maßnahmen zur Kontrolle der Geburtenrate, die Schaffung von Grünflächen und die Förderung des Schutzes der lokalen Artenvielfalt gehören. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Bewusstsein für die Bedeutung des Schutzes der Artenvielfalt und die Notwendigkeit, nachhaltige Lösungen für die Konflikte zwischen Menschen und städtischen Vögeln zu finden, gestärkt wird.
Quelle / Referenz
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Mongabay veröffentlicht.